Etikettenschwindel oder grenzenlose Überforderung?

Kinder sollten in die Schule gehen, so der Grundtenor in unserer Gesellschaft.

Was wenn in der Regelschule kein Platz vorhanden ist? Sie da einfach nicht hinein passen? Dann geht für die Eltern die Suche los. Was für Möglichkeiten gibt es denn noch? Wo ist er, der geeignete Platz für mein Kind?

Muss es die Sonderschule sein? Eine Heilpädagogische Schule? Eine Privatschule?

Eine Flut von Möglichkeiten gibt es und mittlerweile viele Angebote von spezialisierten Institutionen. Es wird mit Neurodiversität, vertieften Kenntnissen zum Autismusspektrum, Eingehen auf Besonderheiten und individuelle Bedürfnisse geworben. Geht man zum ersten Gespräch, wird meist erzählt wie gut die Lehrpersonen ausgebildet seien, dass sie schon mehrere Kinder/Jugendliche im Spektrum betreut hätten und wüssten wie umgehen.

Es gibt auch Institutionen in welchen Ruheräume, Möglichkeiten für den Rückzug, individuelle Förderung  jedes Kindes/Jugendlichen angepriesen werden. Als Eltern ist man in einer eigentlichen Notlage und auf die Bildungsinstitute angewiesen.
Das Kind, das Jugendliche braucht einen Platz. Sofort. Man glaubt alles.

Hat das Kind/das Jugendliche in der Schule begonnen, kommen oftmals die ersten Schwierigkeiten um die Ecke. Es weiss nicht, wo es die nötigen Informationen herbekommt, fragen traut es sich auch nicht. Oder es fragt zu viel und zu oft. Durch die Unter- oder Überforderung fängt es an den Unterricht zu stören oder es sitzt scheinbar teilnahmslos an seinem Platz. Die ersten Telefongespräche, Whatsapp-, SMS-, Teams-, Threemanachrichten erreichen die Eltern: “Ihr Kind tut,” ihr Kind tut nicht”, “ihr Kind stört den Unterrricht”, “ihr Kind zeigt kein geeignetes Lern- und Arbeitsverhalten” um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Und was sollen, können die Eltern nun machen? Durchhalten?
Die Frage an die Lehrpersonen zurückgeben:
“Was gedenken Sie denn zu tun, um die Situation zu ändern?”
Die Ohnmacht bei den Eltern ist riesig, sie können nicht in das System Schule eingreifen.

Die Lehrpersonen sind frustriert und häufig überfordert. Das Wissen um die Autismus Spektrum Störung alleine reicht nicht aus. Es braucht das tiefe Verständnis des Anderssein und erst dann können Massnahmen geplant und umgesetzt werden. Dafür braucht es Ressourcen, die Bereitschaft in die Welt ASS einzutauchen und Unterstützung von aussen anzunehmen. Mein Angebot greift genau diese Themen auf und ich unterstütze Schulen und Institutionen gerne Ihre Visionen zu erreichen und so Versprechen einzuhalten.

Eltern müssen in dieser Phase ent- und nicht noch mehr belastet werden. Die Situation daheim muss entspannt bleiben, damit das Kind/Jugendliche seine sichere Insel, seinen Safeplace behalten kann. Sonst kippt das ganze System. Die Folge davon ist häufig die Fremdplatzierung des Kindes/des Jugendlichen.

Doch warum schreibe ich Etikettenschwindel?

Bildungsinstitutionen sollen ehrlich sein. Es nützt allen Beteiligten nichts, wenn das Blaue vom Himmel versprochen und dann nicht eingehalten werden kann. Die Betroffenen sind immer die Kinder/die Jugendlichen. Jeder Schulabbruch ist eine persönliche Niederlage und schadet dem Selbstwert der jungen Menschen enorm.

Für uns Eltern heisst das:

  • Abbruchkriterien bereits vor Eintritt in die Schule definieren, so dass ein Vertrag ohne Kostenfolgen für die Eltern aufgelöst werden kann.
  • Nachfragen
  • Nicht lockerlassen
  • Ausbildungsstand der Lehrpersonen verlangen
  • Wie reagieren Sie (die Lehrpersonen) wenn…
  • Wo sind die Ruheräume und wie sind diese zu erreichen? Wer kann helfen diese zu besuchen?
  • Wo kann sich das Kind/Jugendliche umziehen?
  • Wer hilft dem Kind/Jugendlichen bei dem Wechsel von Unterrichtsräumen?
  • Wer und wie wird dem Kind/Jugendlichen geholfen wenn es seine Unterlagen nicht im Griff hat?

Lösungsansätze für Fachpersonen und Institutionen:

  • Lassen Sie sich beraten
  • Nehmen Sie den Blick von aussen an
  • Seien Sie ehrlich was Sie wirklich anbieten können
  • Arbeiten Sie mit den Eltern zusammen
  • Respektieren Sie das Zuhause des Kindes/ des Jugendlichen als Safeplace
  • Verlangen Sie Ressourcen
  • Bleiben Sie hartnäckig

Ich bin nach wie vor überzeugt, es gibt ihn den Platz in der Schule, der Gesellschaft für jedes Kind.

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